Aufhebungsvertrag: Vorsicht vor zu verlockenden Abfindungen!

Die Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit Zahlung einer hohen Abfindung klingt verlockend – Aber Vorsicht ist geboten!

Es kommt in Krisenzeiten nicht selten vor, dass große Unternehmen einen Stellenabbau betrieben. Diese Vorgehensweise ist aus dem Grund etabliert, da die Unternehmen auf diese Weise den zumeist größten Kostenfaktor – die Personalkosten – drücken können und somit auch die wirtschaftliche Situation verbessern bzw. stabilisieren können. Nicht selten werden denjenigen Arbeitnehmern, die eigentlich einen festen Sitz in dem Unternehmen haben, schöne Abfindungsangebote unterbreitet. Für einen Arbeitnehmer, der etwaig aktuell sogar ein wenig unzufrieden mit der beruflichen Stellung oder dem Aufgabenfeld ist, kann dies durchaus ein sehr reizvolles Angebot darstellen. Dennoch sollte sich jeder Arbeitnehmer mehr als nur ein einziges Mal sehr gründlich überlegen, ob das verlockende Abfindungsangebot des Arbeitgebers auch wirklich angenommen wird.

Eine schöne alte Redewendung besagt: “was ich habe weiß ich, was ich kriege weiß ich nicht!”. Diese Redewendung hat insbesondere in der Berufswelt durchaus eine feste Bewandtnis und sollte von Arbeitnehmern niemals vergessen werden. Es kommt sehr häufig vor, dass ein vorschneller beruflicher Wechsel anschließend bereut wird.

Abfindung Kündigung
(Symbolfoto: Von Oxie99/Shutterstock.com)

Aus der Krise heraus die Selbstverwirklichung betreiben

Die meisten Arbeitnehmer, die sich in einem Unternehmen seit vielen Jahren in einer beruflichen Festanstellung befinden, werden die Probleme kennen, die mit dem beruflichen Alltag einhergehen können. Der alltägliche Trott, der mit den wiederkehrenden gleichen Aufgaben automatisch kommt, kann durchaus frustrierend und demotivierend sein. Der Traum des Wechsels auf ein berufliches Tätigkeitsfeld, welches den Wünschen und Vorlieben des Arbeitnehmers vollumfänglich entspricht, ist daher bei sehr vielen Arbeitnehmern im Hinterkopf fest verankert. Einen Beruf auszuüben, der jeden Tag aufs neue Spaß und Freude mit sich bringt ist natürlich ein durchaus schöner Gedanke – gern wird dabei jedoch vergessen, dass ein beruflicher Wechsel auch gewisse Risiken mit sich bringt. Wenn nunmehr jedoch der Arbeitgeber mit einem verlockenden Abfindungsangebot an den Arbeitnehmer herantritt sehen viele Arbeitnehmer darin die Chance, die etwaig sogar komplett verhassten Arbeitsstelle endlich beenden zu können und den Traum der Selbstverwirklichung einfach zu leben.

Führende Diplom-Psychologen warnen eindringlich davor, eine berufliche Entscheidung alleinig aus Wunschvorstellungen heraus zu treffen. Der Arbeitnehmer sollte niemals vergessen, dass die Selbstverwirklichung in einem neuen beruflichen Tätigkeitsfeld mit sehr viel harter Arbeit verbunden ist und dementsprechend nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf.

Gerade in der aktuell vorherrschenden Corona-Pandemie geht es sehr vielen Unternehmen wirtschaftlich nicht gut. Dies betrifft nahezu alle denkbaren Branchen. Arbeitnehmer, die aktuell jetzt von ihrem Arbeitgeber ein Abfindungsangebot erhalten und dieses Angebot für einen beruflichen Wechsel annehmen wollen, sollten den Umstand nicht vergessen, dass selbst langjährig etablierte Unternehmen in den verschiedensten Branchen aktuell um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen. Hierbei handelt es sich um Unternehmen, die bereits seit sehr vielen Jahren auf feste Kundenstämme sowie eine eingespielte Produktions- sowie Vertriebskette zurückgreifen können. Wer also jetzt zu diesem Zeitpunkt der Krise sich dem Traum der Selbstverwirklichung hingeben möchte, der sollte dies auf gar keinen Fall vergessen. Wenn schon etablierte Unternehmen in ihren Branchen mit dem wirtschaftlichen Überleben zu kämpfen haben, dann wird es ein Berufswechsler und somit Neueinsteiger auf dem jeweiligen Branchengebiet mit Sicherheit nicht einfacher haben.

Vorsicht bei einschlägigen Büchern und TV-Serien

Die meisten Menschen frönen in ihrer Freizeit dem Genuss von Rundfunkmedien wie beispielsweise TV-Serien oder konsumieren auch gern Bücher, welche sich mit der Thematik der Selbstverwirklichung beschäftigen. Dies ist im Grunde genommen ja auch gar nicht verkehrt, da jeder Traum schließlich auch genährt werden möchte. Die Problematik in diesem Zusammenhang besteht jedoch in dem Umstand, dass die TV-Serien oder auch die einschlägigen Bücher eine sehr einseitige Sicht auf diese Thematik verkörpern und dementsprechend die realen Gegebenheiten überhaupt nicht widerspiegeln. Es geht hierbei einzig und allein darum, ein gewisses Bedürfnis des Konsumenten zu befriedigen und dabei werden im Nebeneffekt auch die bereits vorhandenen Sehnsüchte wieder geweckt oder sogar noch verstärkt. Wenn in diesem Zusammenhang jetzt auch noch ein verlockendes Abfindungsangebot des Arbeitgebers vorgelegt wird vermittelt dies dem Arbeitnehmer, dass jetzt die Möglichkeit der Selbstverwirklichung und Flucht aus dem verhassten Alltagstrott besteht.

Es gibt durchaus Menschen, die einen derartig wichtigen Schritt aus dem Bauchgefühl heraus vollziehen und sich dabei der enormen Tragweite dieser Entscheidung überhaupt nicht bewusst sind. Das “böse” Erwachsen kommt in den meisten Fällen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, allerdings ist dies selten Thema einer TV-Sendung oder von Büchern.

Die Realität darf nicht vergessen werden

Es ist ein Faktum, dass sich die Menschen als Arbeitnehmer nicht ohne einen gewissen Grund in den beruflichen Alltagstrott begeben. Der Grund hierfür ist relativ simpel: das liebe Geld. Durch das mit der Arbeitsstelle einhergehende Erwerbseinkommen wird der Lebensunterhalt bestritten und zumeist gibt es auch feste monatliche Fixkosten, die auf vertragliche Verpflichtungen zurückgehen. Dieses ganze System funktioniert jedoch nur solange, wie ein Erwerbseinkommen auch wirklich hereinkommt. Durch den Wegfall des Arbeitsplatzes wird dieses System sehr schnell aus den Fugen geraten, sodass die monatlichen Fixkosten nicht mehr bedient werden können. Zwar ist es richtig, dass die Abfindungszahlung des Arbeitgebers an den Arbeitnehmer ausgezahlt wird, allerdings dient dieses Geld lediglich zur Überbrückung bzw. zur Kompensation des Arbeitsplatzverlustes.

Hierbei darf der Arbeitnehmer nicht vergessen, dass die Abfindungszahlung Konsequenzen nach sich zieht

  • Steuerverpflichtung
  • etwaig eine Sperre bei dem Anspruch auf Arbeitslosengeld

Auf gar keinen Fall sollte der Arbeitnehmer dementsprechend das Angebot des Arbeitgebers annehmen, ohne zuvor einen “Realitätscheck” durchgeführt zu haben. Es soll an dieser Stelle ausdrücklich nicht gesagt werden, dass der Traum der Selbstverwirklichung nicht auch realisiert werden kann. Vielmehr geht diesem Traum jedoch zuvor ein System voraus, welches der Arbeitnehmer für die Realisierung des Traumes für sich entwickeln muss. Für die Entwicklung des Systems kann der Arbeitnehmer natürlich auch gewisse Hilfestellungen von gewissen Stellen in Anspruch nehmen.

Bei den jeweiligen Stellen wie beispielsweise Personalabteilungen oder Ausbildungsanbietern sollte eine gewisse Vorsicht vorherrschen. Diese Stellen beraten fast schon naturgemäß nicht auf neutraler Basis, da ein gewisses Ziel für diese Stellen erreicht werden soll. Personalabteilungen wollen den Stellenabbau des Unternehmens und Ausbildungsanbieter wollen, dass die vorhandenen Plätze für die zumeist kostenpflichtigen Ausbildungen auch belegt werden.

Wo geht die Reise hin?

Ein weiterer wichtiger Punkt, den ein Arbeitnehmer vor dem beruflichen Wechsel “abarbeiten” sollte, ist die genaue Betrachtung des vermeintlichen Traumjobs. Bei dieser Betrachtung ist jedoch der nüchterne und objektive Blick überaus entscheidend, denn so manch ein vermeintlicher Traumjob ist lediglich bei einer oberflächlichen Betrachtung auch wirklich traumhaft. Die Schattenseiten des Jobs werden hierbei nur zu gern übersehen, sodass die tägliche Arbeitsrealität letztlich den bereits vorhandenen Realitäten näher kommt, als es der Arbeitnehmer wahrhaben möchte. Wer wirklich einen genauen Einblick in den Arbeitsalltag des Traumjobs erhalten möchte, der sollte im Vorfeld Gespräche mit Praktikanten führen, die den Arbeitsalltag des Traumjobs kennengelernt haben.

Insbesondere die Modalitäten der

  • Arbeitszeiten
  • Verdienstmöglichkeiten
  • Arbeitstätigkeiten
  • Anforderungen für den beruflichen Einstieg
  • Arbeitsumfeldgegebenheiten
  • vorhandenen Aufstiegschancen

sollten bei diesen Gesprächen thematisiert werden, damit der Arbeitnehmer nach dem beruflichen Wechsel nicht vom Regen in die Traufe gerät.

Im Rahmen derartiger Gespräche kann natürlich auch die Frage gestellt werden, ob derjenige oder diejenige Person die Teilnahme an einer Ausbildung oder die Tätigkeit in dem Traumjob “bereut” hat oder ob positive Erfahrungen gemacht wurden. Es darf jedoch dabei nicht vergessen werden, dass positive oder auch negative Erfahrungen stets als “individuell” betrachtet werden müssen. Was ein Mensch als positiv empfindet, muss der zweite Mensch deshalb nicht automatisch zwingend ebenfalls als positiv empfinden.

Es kommt in der gängigen Praxis nicht selten vor, dass ein vorschnell durchgeführter beruflicher Wechsel anschließend bereut wird. Um der damit verbundenen Enttäuschung vorzubeugen, sollte die Entscheidung auf jeden Fall sehr gründlich überdacht und auch erst dann getroffen werden, wenn alle erforderlichen Informationen vorhanden sind und sich der Arbeitnehmer auch sicher ist, dass ein objektiver Blick auf den Traumjob oder die Möglichkeit der Selbstverwirklichung tatsächlich möglich ist.

Träume sind zweifelsohne überaus wichtig im Leben, allerdings sollte sich kein erwachsener Mensch ein “Luftschloss” bauen. Der Lebensunterhalt muss auf jeden Fall gewährleistet sein, da nun einmal der Kapitalismus vorherrscht und ein freundliches Lächeln keine Brötchen beim Bäcker bezahlt. Vor dem beruflichen Wechsel sollte dementsprechend auch stets ein “Plan B” vorhanden sein, damit der Lebensunterhalt nicht in Gefahr gerät.

Bei der Überlegung des beruflichen Wechsels zugunsten der Selbstverwirklichung sollte auch eine aktuelle Standortbestimmung erfolgen. Die Frage, ob in dem bisherigen Job auch tatsächlich alles so negativ ist, wie es derzeitig empfunden wird, ist bei dieser Standortbestimmung besonders wichtig. Hierbei sollte auch die psychologische Sichtweise des Menschen betrachtet werden, die für gewöhnlich eine Überschätzung der vorherrschenden Unzufriedenheit mit sich bringt und dementsprechend auch die Wahrnehmung trüben kann. Die positiven Aspekte der beruflichen Tätigkeit werden gern verdrängt und es wird nur das Negative betrachtet. Dadurch werden Veränderungswünsche verstärkt, die jedoch nicht immer einen positiven Effekt für den Arbeitnehmer mit sich bringen.